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Ganz allein – zum 1. Mal

Ganz allein - zum 1. Mal

Und wieder fliegt eine ganz allein – zum 1. Mal in ihrem Leben. Anna Lena Kirchner hat heute ihre ersten drei Alleinflüge gemacht. Das Wetter war nicht gerade auf unserer Seite. Der DWD hatte sogar Gewitter vorhergesagt. Der Tag begann aber ganz manierlich – lediglich der Wind war ein wenig stark. Zunächst stand eine weitere „Landung aus ungewohnter Position“ auf dem Programm für Anna Lena. Mit Fluglehrer Torsten ging es also erstmal aus ungewohnt tiefer Anflugposition zum Flugplatz zurück. Der Wind sorgte für ein entsprechend rumpeliges Flugerlebnis. Nach der Landung: Check, alles prima gemeistert von der erst 14 Jahre alten Flugschülerin. Mit Fluglehrer Michi stand als nächstes eine weitere Seilrißübung auf dem Programm. Professionell und ruhig hat Anna Lena auch diese Herausforderung gemeistert.

Der große Moment

Die beiden Fluglehrer waren sich sicher: Anna Lena kann das. Aber erstmal sollten die anderen Flugschüler zu ihren Flügen kommen. Das Wetter! Nachdem alle ihre zwei Flüge absolviert hatten, war der Regen dann auch schon näher gekommen. Es wurde Zeit. Ein letzter Checkflug mit Michi: alles klar. Am Start dann die Ansage von Torsten an die Bodencrew: „macht den Flieger mal klar für einen Alleinflug“. Große Augen bei Anna-Lena. Noch ein wenig Papierkram: beide Fluglehrer müssen schriftlich bestätigen, dass der zukünftige Alleinflieger das auch wirklich kann. Und schon geht’s für Anna-Lena los zum ersten Start. Perfekt, wie aus dem Lehrbuch fliegt die junge Dame ihre Platzrunde. Die vermutlich weitaus aufgeregteren Fluglehrer waren zufrieden.

Oh weh, ein Seilriss

Der Regen hielt sich noch ein wenig zurück. Auf geht’s zum 2. Alleinflug. Alles prima bis in ca. 200m das Seil reißt. Ok, Anna Lena hatte das mit ihren Lehrern zigmal geübt. Aber jetzt zählt’s. Torsten und Michi sind mächtig nervös. Bekommt sie es hin, kann sie alles umsetzen?. Perfekt. Fast zu cool. Schnell noch einen Vollkreis, der den beiden Fluglehrern die Schweißperlen auf die Stirn treibt, denn sie hatten erwartet, dass Anna Lena sofort zur Landung schreitet. „Aber ich hatte noch 220m, war doch viel zu hoch“, der Kommentar der jungen Pilotin. Besonnene Reaktion. Top Landung. Alles super.

Fliegertaufe

Beim 3. Flug nahm dann bereits der Regen etwas zu. Eine letzte Landung und Anna Lena war Pilotin. Die eilig herbeigerufene, aufgeregte Mama konnte die letzten beiden Landungen noch live miterleben. Der Papa saß auf der Winde und schleppte in allen drei Flügen sein Töchterchen in den Himmel. Auch die Mama der Fliegerkameradin Carina war mit dabei und konnte so einem der archaischsten Bräuche der Segelflieger beiwohnen: der Fliegertaufe.


Teil 1 des Taufvorgangs: Nierswurf

Zunächst wird dem Alleinflieger nach der Landung ein riesiger, stacheliger Strauss Disteln und Brennesseln ins Cockpit gereicht. So ausgestattet geht es – noch im Flugzeug sitzend – zur Niers. Dort geht’s dann in hohem Bogen in den Fluß (siehe Video oben). Wieder aus dem Wasser geborgen kommt das „Schinkenklopfen“. Da das Segelfliegergefühl im Hosenboden sitzt, wird dieser nach der A-Prüfung einer besonderen Behandlung unterzogen: jeder darf einmal feste auf den Allerwertesten hauen. Durch die nasse Hose ist die Wirkung besonders intensiv. Aber zum Glück hatte Mama ja trockene Wechselkleidung mitgebracht. Pünktlich zum Ende der Taufe fing es dann auch an zu giessen.

Herzlichen Glückwunsch Anna Lena, alles Gute und vor allem viel Spaß in Deiner fliegerischen Zukunft.

Du möchtest auch mal mit einem Strauß Disteln über den Flugplatz geschoben werden? Endlich mal von einer wilden Truppe Jugendlicher in die Niers geworfen werden? Den Hintern versohlt bekommen? Und das alles für die normalste Sache der Welt halten? Dann bist Du bei uns richtig. Neben all diesen irren Dingen, bringen wir Dir auch noch bei, Segelflugzeuge zu fliegen.

Autor:

Ich bin gegenwärtig Geschäftsführer und einer von ca. 25 Fluglehrern im LSV Grenzland e.V. Wenn ich nicht an der Webseite rumfummle, versuch ich möglichst oft, im Segelflugzeug zu sitzen. Nur im Winter, wenn der Segelflug am Niederrhein ruht, zieht es mich auch in Motorflugzeuge. Alles in allem hab ich so 1.000 Flugstunden und ca. 1.300 Starts auf dem Buckel.

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