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FlyTop Flugsicherheitsseminar

FlyTop Flugsicherheitsseminar

FlyTop Flugsicherheitsseminar

Am 16. und 17.11. haben wir mit ca. 90 aktiven Piloten das Thema Flugsicherheit bearbeitet. Im Rahmen eines FlyTop Flugsicherheitsseminars haben wir systematisch unser vorhandenes Sicherheitsnetz durchleuchtet. Dabei sind Schwachstellen und Punkte aufgetaucht, die wir verbessern müssen. In 8 Projekten wollen wir in den kommenden Monaten verschiedene Aspekte unserer Sicherheitskultur verbessern.

Warum ein Flugsicherheitsseminar?

Im Flugsport lauert neben den ganz großen Erlebnissen auch immer die ganz große Gefahr. Und beim Fliegen ist diese ganz große Gefahr leider fast immer tödlich. Beim LSV Grenzland haben wir vor ca. 4 Jahren begonnen, dieses Thema strukturell zu verbessern. Wir haben einen Flight-Safety Officer installiert- einen Airline Profi, der seit 30 Jahren mit und durch strukturelle Flugsicherheitsmaßnahmen lebt. Der hat eine ganze Reihe von Massnahmen der Profis auf unsere Umgebung adaptiert.

Trotzdem gab’s bei uns in den vergangenen Jahren gelegentlich Vorfälle, die auch dramatischer hätten verlaufen können. Zum Glück ist nie etwas passiert. Dabei liegt die Betonung auf Glück. Und Glück ist keine Strategie. Daher haben wir in den letzten 12-18 Monaten begonnen, die Idee eines FlyTop Flugsicherheitsseminar im Verein zu verbreiten. Mit dem Ziel, unsere Sicherheitskultur zu verbessern. Zunächst mit unseren ca. 25 Fluglehrern. Und im Februar 2018 zur Mitgliederversammlung haben wir das Konzept dann allgemein vorgestellt und um Unterstützung dafür geworben.

Der Seminarort

Eine gescheite Seminarumgebung zu finden für fast 100 Leute, ist gar nicht so einfach – zumal, wenn das Budget begrenzt ist. Freundlicherweise hat unser Projektparter, die Liebfrauenschule in Mülhausen, uns Räume und Catering im für uns bezahlbaren Rahmen bereit gestellt. Unser Dank dafür geht an den Schulleiter, Herrn Josten, unseren “Verbindungslehrer” Thomas Kroppen sowie ganz besonders an’s Catering-Team unter Leitung von Nicole Bauß. Herzlichen Dank für die tolle Betreuung und die super Räumlichkeiten.

FyTop Flugsicherheitsseminar
Alfred Ultsch – unser “Chefcoach”

Seminarbeginn – Freitag Abend

So ein FlyTop Flugsicherheitsseminar geht über 1,5 Tage. Im Vorfeld hatten wir lange diskutiert, ob wir eine Fr/Sa oder Sa/So Kombination nehmen sollen. Schlußendlich ist es dann Fr/Sa geworden, damit wenigstens ein Tag des Wochenendes für Familie oder anderweitige Aktivitäten (Fliegen z.B.) frei bleibt.

So fanden sich am Fr. um 17:50 – Seminarbeginn 18:00 – ca. 15 vom Wochenpensum geschwächte Luftsportler in der Aula der Schule ein. Phil, unser Flight-Safety Office und Oberorganisator, bekam so langsam Nerven. Das Seminar basiert darauf, dass möglichst alle aktiven Piloten und möglichst viele nicht fliegende Partner mitmachen. Und wir hatten doch 100 Anmeldungen. Wo sind die bloß alle. Aber wir sind am Niederrhein. Kulturell ist das fast Nord-Frankreich. Und richtig: gegen 18:10 saßen dann doch gut 100 Luftsportler abgekämpft aber neugierig in der Aula.

Alfred Ultsch, unser “Chefmoderator” und das gesamte FlyTop Team verstand es, mit einer guten Kombination von Fakten und aufheiternden Videos, den Einstieg interessant zu gestalten. Die wenig erbaulichen Fakten: Langfristig stagnieren wir Luftsportler bei 20 Toten pro 1 mio. Flugbewegungen. Zum Vergleich: die kommerzielle Luftfahrt liegt bei 0,1 Toten pro 1 mio. Flugbewegungen. Das macht schon nachdenklich.

Einer der Gründe für diese Stagnation liegt in der Art, wie wir im Luftsport traditionell Sicherheit “produzieren” (Alfred nennt das statische Sicherheit). Wir schauen Abstürze (oder schwere Unfälle) an und versuchen daraus zu lernen. Aber wenn man schon auf eine sehr große Zahl von Vorfällen zurückblickt, kann man nicht mehr viel dazu lernen. Immerhin fliegt die Menschheit seit 1911 im Segelflug. Die kommerzielle Luftfahrt hatte in den 1980ern ebenfalls mit demselben Problem zu kämpfen. Bei steigendem Luftverkehr hätte das damals im Schnitt einen Absturz pro Monat bedeutet. Viel zu viel.

Der Weg zu mehr Flugsicherheit liegt in dynamischer Sicherheit. Hier geht es um Prozesse und (trainiertes) Verhalten – im Verein für uns Luftsportler und im Unternehmen für die Profis. Und genau hier setzt so ein FlyTop Flugsicherheitsseminar an. 

So haben wir – nach Einführung in diese Grundlagen – den Freitag bis ca. 21:30 damit verbracht, zu überlegen, was schon gut bei uns läuft. Und natürlich haben wir auch geschaut, was weniger gut läuft. Auf Flipcharts und Zetteln haben wir diese Gedanken zu Papier gebracht. Damit waren wir für’s erste entlassen, während das FlyTop Team im weiteren Verlauf der Nacht unsere gut 500 Gedanken sortiert und strukturiert hat. 

FlyTop Flugsicherheitsseminar
Alle Piloten – aufgestellt nach Flugerfahrung. Von wenigen Stunden bis über 20.000h.

Der Samstag

Am Samstag ging’s um 9:00 weiter. Samstag stand ganz im Zeichen von Gruppenarbeiten. Nachdem wir die am Vorabend gesammelten Gedanken und Ideen zuvor bewertet hatten, arbeiteten wir in 8 Gruppen jeweils an einem Thema.

Auf eine Gruppen-Phase folgte jeweils eine kurze Präsentation der Zwischenergebnisse im Plenum. Kaffee-Pausen gaben zudem Gelegenheit, sich außerhalb der Gruppen auszutauschen. Alfred und sein Team haben es prima verstanden, unsere ganze Gruppe in einen teamorientierten Arbeitsmodus zu versetzen. 

Nach mehreren Stunden folgte am frühen Nachmittag der große Moment: jede Arbeitsgruppe hatte ein oder mehrere Projekte erdacht, die helfen würden, identifizierte Sicherheitslücken, zu schließen. Im Rahmen eines Marktplatzes mussten jetzt noch Projektleiter und Teammitglieder gefunden werden. 

Und tatsächlich: für 8 identifizierte Projekte haben wir jetzt Projektleiter, Teammitglieder und Controller. Einer Umsetzung steht jetzt maximal die Tatsache im Weg, dass wir all diese Arbeit natürlich in unserer Freizeit erledigen müssen. Und vielleicht, dass wir vom Niederrhein sind 🙂 Aber der Anfang ist gemacht, die Themen haben wir identifiziert und die Grundlage gelegt für eine Verbesserung.

Und sonst so?

Das Ganze ist ein riesiger gruppendynamischer Prozess. Bei einem relativ großen Luftsportverein, wie dem unseren, sehen sich “alle” eigentlich nur einmal im Jahr zur Mitgliederversammlung. Und so war das FlyTop Flugsicherheitsseminar eine super Gelegenheit, sich auch untereinander besser kennenzulernen und auszutauschen. Und vielleicht einmal mit Kameraden und Kameradinnen zu sprechen, die man sonst nur vom Sehen kannte.

Die Abschlussrunde hat dann auch deutlich gemacht, dass die meisten Teilnehmer diesen Aspekt für genauso bedeutsam hielten, wie die Sicherheitsthemen.

Fazit

Wer als Luftsportverein seine Sicherheitskultur verbessern möchte, macht mit so einem FlyTop Flugsicherheitsseminar ganz sicher keinen Fehler.

Danke

Viele helfende Hände waren erforderlich, um dieses Seminar zu einem Erfolg zu machen. Da sind einmal die schon erwähnten Damen und Herren der Liebfrauenschule in Mülhausen. Dann natürlich unser Phil Rommelaere, der als Flight-Safety Verantwortlicher uns alle auf den “Pfad der Tugend” gebracht hat. Wie immer haben viele, vor allem jugendliche, LSV Hände mitgeholfen, alles auf- und abzubauen.

Last but definitiv not least: Dieses Seminar ist eine Pilotveranstaltung gewesen. Mit und für den Aeroclub|NRW wollen wir prüfen, ob solche Seminare zukünftig landesweit einen Beitrag zur Verbesserung der (Flug-) Sicherheitskultur leisten können.

Dankenswerter Weise wurden wir daher mit Mitteln des Landes NRW Abteilung Sport in der Staatskanzlei gefördert. Unser besonderer Dank geht hier an Boris Langanke (Aeroclub|NRW), der uns im Vorfeld in dieser Sache sehr unterstützt hat. Vielen Dank an Euch alle.

Autor:

Ich bin gegenwärtig Geschäftsführer und einer von ca. 25 Fluglehrern im LSV Grenzland e.V. Wenn ich nicht an der Webseite rumfummle, versuch ich möglichst oft, im Segelflugzeug zu sitzen. Nur im Winter, wenn der Segelflug am Niederrhein ruht, zieht es mich auch in Motorflugzeuge. Alles in allem hab ich so 1.100 Flugstunden und ca. 1.800 Starts auf dem Buckel.

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