Suche
  • Fliegen am Niederrhein
  • +49 2158 800099
Suche Menü

Wie man Fluglehrer wird

Ein langer Weg

Wer Fluglehrer werden will, muss im Segelflug mindestens 150 Flugstunden nach Erwerb des Luftfahrerscheins nachweisen. Zudem muss der Kandidat Überlandflugerfahrung im Segelflugzeug nachweisen. Dem eigentlichen Fluglehrerlehrgang geht eine etwa einjährige „Fluglehrervorausbildung“ im Verein voraus, um in Begleitung erfahrener Fluglehrer die Sicherheit auf dem hinteren Sitz, also auf dem Fluglehrer-Sitz, zu gewinnen. Bereits während dieser Zeit wird der Kandidat mit verschiedenen Fluglehreraufgaben betraut wie der Vorbereitung des morgendlichen Briefings, der Übernahme von Übungseinheiten im Theorieunterricht und der Organisation des Flugbetriebs.

Lehrgang

Der Fluglehrerlehrgang an der Segelflugschule in Oerlinghausen besteht aus einem Theorieteil, der an mehreren Wochenenden stattfindet, und einem zweiwöchigen Praxislehrgang. Der Lehrgang wird mit der theoretischen und praktischen Fluglehrerprüfung abgeschlossen.
Danach schließt sich eine mehr als einjährige „Ausbildungstätigkeit unter Aufsicht“ an, in der die Anwärter mehrere Flugschüler – jetzt wieder im Verein – in verschiedenen Ausbildungsabschnitten unter Aufsicht dafür benannter Fluglehrer praktisch ausbildet.
Erst dann wird die Lehrberechtigung, also die Lizenz zur Fluglehrertätigkeit, ausgestellt. Die Lizenz wird bei ausreichender praktischer Ausbildungstätigkeit und einer anerkannten Fluglehrerfortbildung alle drei Jahre verlängert. Unser Verein bildet mit ca. 25 Fluglehrern angehende Piloten aus. Alle Fluglehrer arbeiten ehrenamtlich.

“Grundsätzlich kann jeder Segelfliegen lernen – wenn er sich dafür entsprechend einsetzt. Wir unterrichten im LSV 14-jährige ebenso wie Menschen mittleren Alters und aus allen Berufen: Schüler, Ingenieure und Handwerker”
Michael Müllers – Ausbildungsleiter des LSV Grenzland e.V.

Startklar zur nächsten Übungsrunde mit Lehrer

Startklar zur nächsten Übungsrunde mit Lehrer

Viel Verantwortung

Die Einteilung der Fluglehrer für den praktischen Flugunterricht erfolgt nach einem Plan, der sicherstellt, dass an jedem Wochenendtag während der Flugsaison zwischen März und Oktober zwei Fluglehrer für den kontinuierlichen Flug- und Ausbildungsbetrieb hauptverantwortlich zuständig sind. Zusätzlich werden vereinsinterne Ferienlehrgänge im Sommer organisiert, zu deren Betreuung sich jeweils mehrere Fluglehrer finden und frei nehmen müssen.

Neben der Durchführung von praktischem Flugunterricht gibt es weitere verantwortungsvolle Fluglehreraufgaben, die für einen sicheren Flugbetrieb wichtig sind und der fliegerischen Aus- und Weiterbildung der Vereinsmitglieder dienen.
Bereits am Vorabend des Flugtags informiert sich der eingeteilte Fluglehrer über das Wetter, den technischen Zustand der Ausbildungsflugzeuge und den Übungsstand der Flugschüler. Zum morgendlichen Briefing werden – abhängig vom Wetter, der Flugzeugauslastung und dem Ausbildungsstand der Flugschüler – erste Entscheidungen zur Flugzeugverteilung, zur Einteilung der Flugschüler und zum Übungsprogramm getroffen. Die Fluglehrer achten darauf, dass die Flugzeuge zu Beginn und Ende des Flugbetriebs ordnungsgemäß ein- und ausgeräumt werden, sind verantwortlich für die einwandfreie Vorflugkontrolle der Ausbildungsflugzeuge, organisieren den Startaufbau und sorgen mit für einen zügigen und sicheren Flug- und Ausbildungsbetrieb.

Sie beaufsichtigen vom Boden aus im Funkkontakt alleinfliegende Flugschüler, weisen die fortgeschrittenen Flugschüler und Lizenzpiloten in die Bedienung und den Umgang neuer Flugzeugmuster ein und kümmern sich nebenbei um die Ausbildung von Windenfahrern.
Abends dokumentieren sie dann den Ausbildungsfortschritt jedes Flugschülers zum Nachweis des aktuellen Ausbildungsstands und zur Information des Fluglehrerteams, damit jeder Fluglehrer an den nächsten Tagen die Übungen übernehmen und nahtlos fortsetzen kann.

“Segelfliegen gehört zu den anspruchsvollsten Sportarten überhaupt – und belohnt mit Eindrücken, die ein Pilot sein Leben lang nicht mehr vergisst. Diese Begeisterung zu vermitteln, ist meine Motivation.”
Holger Linnartz


Segelfliegen ist Mannschafts- und Individualsportart zugleich. Am Boden ist das Team gefragt, in der Luft ist der Pilot auf sich allein gestellt.

Auch im Winter alle Hände voll zu tun

Neben den praktischen Tätigkeiten fallen für die Fluglehrer sowohl während der Flugsaison als auch in den Wintermonaten neben der üblichen Vereinsarbeit viele organisatorische und administrative Aufgaben an.

Die Fluglehrer sind mit zuständig für die Organisation und Durchführung von Informationsveranstaltungen und Schnupperaktionen im Rahmen der Mitgliederwerbung und Nachwuchssuche und entscheiden mit über die Aufnahme neuer Mitglieder. Sie teilen sich im Winter den Theorieunterricht, kümmern sich um die theoretische Weiterbildung der fortgeschrittenen Flugschüler und jungen Lizenzpiloten, richten vereinsinterne Flugsicherheitsseminare aus und tauschen sich auf regelmäßig stattfindenden Fluglehrersitzungen und den obligatorischen Fluglehrerfortbildungen aus.

Ein Segelflugverein ist ein großes Team, in dem unterschiedlichste Funktionen gebraucht werden und alle Kenntnisse und Fertigkeiten nützlich sind – vom gesamten Spektrum handwerklicher Arbeit bis zur immer aufwändigeren Verwaltung. Ein wichtiges Element dabei sind auch die Fluglehrer. Da sie für die Flugschüler und auch alle anderen Vereinsmitglieder immer ansprechbar sind, fällt ihnen auch in besonderem die Rolle zu, zwischen den Mitgliedern zu vermitteln und die Vereinsgemeinschaft zusammenzuhalten.

Autor:

Ich bin gegenwärtig Geschäftsführer und einer von ca. 25 Fluglehrern im LSV Grenzland e.V. Wenn ich nicht an der Webseite rumfummle, versuch ich möglichst oft, im Segelflugzeug zu sitzen. Nur im Winter, wenn der Segelflug am Niederrhein ruht, zieht es mich auch in Motorflugzeuge. Alles in allem hab ich so 1.100 Flugstunden und ca. 1.700 Starts auf dem Buckel.

Schreibe einen Kommentar