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Warum Segelflugzeuge Wasser tanken

Wer im Frühjahr und Sommer morgens auf unseren Flugplatz kommt, erlebt ein für aussenstehende merkwürdiges Bild. Eine Schlange von Segelflugzeugen – meist von PKW gezogen – bildet sich am Wasserhahn des großen Hangars. Diese Segelflugzeuge tanken Wasser. Manchmal sind da auch nur PKW, aus denen große Kanister zum Vorschein kommen, die mit Wasser gefüllt werden. Wer genauer schaut sieht: diese PKW fahren zu unserem Anhänger-Platz und das Wasser landet im Flugzeug. Genau, wie bei den Flugzeugen, die am Wasserhahn Schlange stehen.

Segelflugzeuge sollen Wasser tanken?

Segelflugzeuge sollen doch leicht sein, oder? Jein. Ein leichtes Flugzeug steigt in der Thermik im Allgemeinen besser, als ein schweres. Das stimmt. Mutter Natur muss bei einem leichten Flugzeug halt „nicht so schwer heben“.

Aber wenn die Thermik gut vorher gesagt ist, dann ist der Gewinn beim Steigen, den ein leichtes gegenüber einem schweren Flugzeug hätte, nicht so ausschlaggebend. Der Trick ist Folgender: wenn bei einem Flugzeug die Flächenbelastung steigt (also mehr kg pro Quadratmeter Flügelfläche), dann verschiebt sich die Geschwindigkeit des besten Gleitens in Richtung höherer Geschwindigkeiten. Genau diese Steigerung erreicht man, in dem man Wasser in die Flügeltanks giesst. Die Flügelfläche bleibt ja logischerweise konstant und das Gewicht nimmt zu. Ergo steigt die Flächenbelastung. Man kann jetzt nicht mehr ganz so langsam fliegen, wie mit leeren Tanks. Dafür sinkt das Flugzeug bei höheren Geschwindigkeiten weniger schnell. Dieser Gewinn an Geschwindigkeit wiegt die etwas schlechtere Steigfähigkeit bei Weitem auf.

Das Flugzeug mit der niedrigen Flächenbelastung kommt vielleicht etwas früher oben an. Beim Flug zum nächsten Aufwind, wird es aber vom Flugzeug mit der höheren Flächenbelastung überholt. Wenn das leichte Flugzeug dann in der Thermik ankommt, ist das schwere Flugzeug schon eine ganze Weile gestiegen. Am Ende hat das leichte Flugzeug das Nachsehen.

Schneller und weiter

Die Konsequenz, wenn Petrus sich an die Anweisungen vom Deutschen Wetterdienst hält: man kann in einem gegebenen Zeitfenster schneller fliegen. Das heißt automatisch auch, dass man weiter fliegen kann. Die sportliche Herausforderung beim Segelfliegen fordert genau das: weitere Strecken schneller fliegen. Im Frühjahr und Sommer beschert uns das Wetter so um die 7-9 Stunden Thermik. Wenn man jetzt mit Wasser fliegt steigt eben die Chance innerhalb dieser 7-9 Stunden schneller und/oder weiter zu fliegen. Deswegen kippen wir Wasser in die Flügel.

Und wenn Petrus umkooperativ ist?

Wenn Petrus richtig schlecht drauf ist und alles ganz anders kommt, als vorher gesagt, dann muss das Wasser eben wieder ‚raus aus dem Flieger. Dazu hat das Flugzeug eine Reihe von Ablassventilen, die der Pilot vom Cockpit aus öffnen kann. Das Wasser läuft dann heraus und hinterlässt eindrucksvolle Spuren am Himmel. Im Gegensatz zu unseren mit Turbinen versehenen Brüdern und Schwestern aus der Verkehrsluftfahrt sind unsere „Chemtrails“ aber nur aus reinem Wasser.

Autor:

Ich bin gegenwärtig Geschäftsführer und einer von ca. 25 Fluglehrern im LSV Grenzland e.V. Wenn ich nicht an der Webseite rumfummle, versuch ich möglichst oft, im Segelflugzeug zu sitzen. Nur im Winter, wenn der Segelflug am Niederrhein ruht, zieht es mich auch in Motorflugzeuge. Alles in allem hab ich so 1.000 Flugstunden und ca. 1.300 Starts auf dem Buckel.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Torsten,
    netter Versuch. Aber wir wissen doch alle, was da wirklich reinkommt! Ich sage nur: „Kondensstreifen“…

    Dieter

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